Erinnerungen an Hermann Ackermann
von Hermann Kück

Selbiger wurde am 21. Februar 1892 in Gnarrenburg geboren, als Sohn des Glasschleifers Paul Ackermann. Er hatte einen Bruder Ernst.
Vater Paul Ackermann, meines Wissen nach im Krieg verwundet. konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben.

So lernte Hermann Ackermann in junge Jahren im Leben zupacken zu müssen, wenn man etwas erreichen wollte. Dieses “Zupacken”, zu arbeiten, ließ ihn im Leben nicht mehr los. Wenn er aus der Glashütte nach Hause kam, ging es ins Moor zum Torf. Er lebte sehr sparsam und war somit einer der ersten Glasbläser, der sich an der Hermann-Lamprecht Straße ein Haus baute.

Hermann Ackermann war ein exellenter Turner und als um die Jahrhundertwende Hermann Seitz und Friedrich Bute, zwei beim Militär  ausgebildete Spielleute, den Spielmannszug der Turnvereins Marienhütte gründeten, war er als junger Knirps dabei. 1914 war er schon als Tambourmajor tätig. Um diese Zeit waren schon mehr als 20 Spielleute tätig.

Der 1. Weltkrieg unterbrach dann so vieles, so auch den damals bestehenden Spielmannszug Marienhütte. Nach der zwangsweise entstandenen Pause, setzen die heimgekehrten Spielleute 1919 ihre Tätigkeit fort. Der erste Tambourmajor war Heinrich Rosenberg. Danach fungierte Georg Wendelken als solcher. Dann aber kam Hermann Ackermann, der den nun selbständigen Spielmannszug zu einem weiterhin bekannten und geschätzten Klangkörper formte.

Die Jahre vergingen, die SA (Schutztruppe der NSDAP), marschierte. Die SPD trat dem mit den Reichsbanner gegenüber. Die Arbeiterschaft der Marienhütte unterstütze diese Entgegenkommen der SPD Ortsgruppe Gnarrenburgs. Hermann Ackermann, ein aufrechter Sozialdemokrat, in vielen Funktionen tätig, führte aber weiterhin den Spielmannszug ohne Furcht und Tadel.

1930 trat ich selbst in den Spielmannszug ein und Hermann Ackermann war mir, der seinen Vater im Weltkrieg verlor, ein väterlicher Freund und er blieb es bis zu seien Tod. Einmal sagte er zu mir: “Hermann, du hast eine Tochter, hast aber keine Enkelkinder. Wenn meine Enkelkinder später zur Schule gehen, bleiben sie vielleicht an deinem Haus stehen und sagen ,Hier wohnte der Freund meines Großvaters, ein sehr solider Mann.’” Er rauchte und trank nicht, aber er war ein so fleißiger und guter Mensch. Heute wohnen andere Leute in seinem Haus. Da habe ich Hermann Ackermann das erste Mal weinen sehen und er sagte zu mir: “Hermann, du bist glücklicher als ich.”

1933- die “Braunen” `(SA Truppen) hatten die Macht im Staate. Unser über alles geliebter Spielmannszug wurde aufgelöst. Wir mußten alle Instrumente abgeben (die SA-Truppen hatten diese in Tönjes Gasthoch versteckt). Es gab keinen Spielmannszug mehr. Und dann gab es Aufsehen in Gnarrenburg. Die Instrumente, die in Tönjes Gastwirtschaft obern im 1. Stock lagerten, waren verschwunden. Mutige Männer des ehemaligen Spielmannszuges hatten ganze Arbeit geleistet. Man war die Treppe hochgegangen, das Zimmer geöffnet, draußen stand eine Leiter parat und 10 Minuten später war die ganze Aktion vorbei. Ich hatte meine Flöte wieder! Bei Zeiten hatte ich die Initialen H.K. mit dem Messer in die Flöte geritzt. (Anmerkung: Die Flöte ist zur damaligen Zeit noch aus Holz gewesen)

Dann hieß es plötzlich, Hermann Ackermann wurde von den Nazis abgeholt. Er verbrachte fast ein viertel Jahr im Bunker in Varge bei Bremen. man konnte ihn aber nichts Böses nachsagen, selbst seine politischen Gegner im Ort traten für ihn ein und bezeichneten ihn als ehrenwerten und fairen Gegner. Darauf wurde er freigelassen. Wir hatten ihn wieder!

Am 12. April 1959 erhielt Hermann Ackermann das Goldene Spielmannszug Abzeichen. Dieses Ereignis wurde mit einem großen Fest bei Hermann Ackermann gefeiert, der dazu den gesamten Spielmannszug einlud. Ich dankte dem Jubilar mit den Worten: “Bleib weiter unser Ackermann!”.

1945 war der Spuck vorbei. Der 2. Weltkrieg war verloren. Der Spielmannszug wurde neu aufgebaut. Eine neue Freundschaft entstand mit mit dem über die norddeutschen Heimat bekannten Spielmannszug Wulsdorf, der auch eine Blaskapelle hatte und viele Konzerte gab, auch in Gnarrenburg, den ich selbst viele Mals als Ansager und Humorist begleitete, bis hin nach Göttingen. Nach 1945 begann wohl die schönste Zeit für uns Spielleute.

Am 21. Juni starb Hermann Ackermann. Es war ein sehr heißer Sonntag, in Friedrichsdorf war Schützenfest. Ich sprach eine halbe Stunde vorher noch mit ihm. Er sagte, ihm sei nicht gut, er wolle sich beim Kaufmann Ebel noch ein Fläschchen Cognac holen. In der Seestraße ereilte ihn der Tod. Er hatte den Tambourstab im Arm.

August Meier, Diedrich Aldag und meine Wenigkeit haben den Sarg verschlossen. Er wurde mit Trommelwirbel und dem Lied vom guten Kameraden beigesetzt. Eine Abordnung aus Wulsdorf war bei dem Begräbnis auch dabei. Hermann Ackermann hatte mir vorher einmal gesagt: “ Wenn mir mal etwas passiert, beim Wirt sind 100 DM deponiert. Ich möchte, daß ihr meiner gedenkt und den Marsch zum Abscheid spielt ‘Das Lieben bringt groß Freud’.”. Genauso ist es geschehen.

Beim Umtrunk habe den Wunsch geäußert: Wir benennen den Spielmannszug “Spielmannszug Ackermann”. Dem wurde von allen zugestimmt und Hermann Baake aus Bremerhaven sagte: “Etwas Besseres konntet ihr nicht tun”.